Ist Gott nicht allgegenwärtig?

1. Mose 11,5 und 18,21: Warum muß Gott erst "herniederfahren"; ist er nicht allgegenwärtig´

Die Bibel lehrt uns, dass Gott allgegenwärtig und auch allwissend ist.

Besonders deutlich wird das etwa in Psalm 139,1-17. Was soll es dann aber bedeuten, daß Gott beim Turmbau zu Babel herniederfahren mußte, um das Werk der Menschen zu besehen?

Wir haben hier ein Beispiel vor uns, wie die Bibel oft mit menschlichen Vergleichen operiert, um uns etwas über Gott auszusagen. Wenn wir von Gottes Arm lesen (z.B. Jes. 53,1), so will uns das lediglich etwas über Gottes Macht zu retten und zu richten sagen; oder von seiner Hand, dann um uns an seine Tätigkeit als Schöpfer und Erhalter zu gemahnen. So wie wir unsere Hand gebrauchen, um etwa eine Vase aus Ton zu formen, so hat Gott alles mit seiner Hand geformt. Dabei wissen wir, daß er nicht im leiblichen Sinn eine Hand hat.

Ein weiteres Beispiel, das etwas anders gelagert ist: Nachdem Adam gesündigt hat, versteckt er sich vor Gott. Da ruft ihn Gott und fragt: "Wo bist du, Adam?" Die Frage ist nicht so zu verstehen, als ob Gott Adam aus den Augen verloren hätte und ihn jetzt verzweifelt suchen würde. Nein, die Frage soll an Adams Gewissen appellieren: "Ja, wo bin ich eigentlich; warum fliehe ich denn vor Gott; was ist eigentlich mit mir los?"

Lesen wir nun von Gottes Herniederfahren zu den Menschen, dann wird in menschliche Sprache gekleidet, was Gott tat: Die Zeit war reif, daß er dem gottlosen Tun der Menschen Einhalt gebot. Wenn wir Menschen, bevor wir bösem Tun durch verschiedene Maßnahmen wehren, uns zuvor erkundigen müssen, was wirklich geschehen ist, so richtet Gott Sünde nur, wo Sünde auch vorliegt; und er richtet sie vollkommen gerecht, ganz entsprechend der Schuld. Das kann er natürlich nur, weil er eben allgegenwärtig und allwissend ist, und deshalb alles Tun der Menschen kennt. Das will uns diese Ausdrucksweise über Gott sagen.


Beantwortet von: Benedikt Peters
Quelle: Aus dem Buch 3 x 100 Fragen zur Bibel (Schwengeler Verlag, 2003)